Manches ist so einfach, manches aber auch nicht.

Heute wird viel vom „Mut gegen Rechts“ gesprochen, und jeder xyz-Promi darf seinen Senf effekthascherisch dazugeben, Videos posten und jede Meinung und Argumentation die rechts der SPD auftaucht einmal hübsch mit der Nazikeule vermöbeln. Allerdings ist nichts heute einfacher, als Sympathien (und damit Mehrheiten) zu sammeln gegen die Idioten, die gewaltsam Ihrer gedanklichen oder verbalen Hilflosigkeit (oder Dummheit) Luft machen. Die Aussage „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ ) ist natürlich schon aus psychologischer Sinn eher kontraproduktiv (Negation wird vom Gehirn ersatzlos gestrichen. Beispiel: Denken Sie NICHT an den Eiffelturm. Die Nazi-Assoziation ist damit quasi selbsterklärend. Vor diesem Hintergrund wird die auch Überschrift des Textes interessanter…)

Gleichzeitig, geschichtlich bedingt, ist es in Deutschland deutlich leichter rechte Gewalt zu verurteilen als linke Gewalt. Um ein gewisses „Positionsmainstreaming“ zu erreichen, stellen wir einmal folgenden Gedankengang vornan: Jede Form von initiierender Gewalt ist erstmal falsch und hier heiligt auch kein Zweck die Mittel. Das ist so einfach, dass hier immer noch ein breiter Konsens zu erwarten ist. Jeder halbwegs vernünftige Mensch mit einer Basisausstattung an Empathie kann diese Aussage unterschreiben. Das ist nicht mutig, das ist „normal“, das sollte menschlich sein.

Führen wir den Gedanken weiter, wird es schon etwas komplizierter. Welche Art Menschen wird die Aussage ablehnen, dass initiierende Gewalt in einer aufgeklärten Gesellschaft unnötig sein sollte? Eine mögliche und sinnvolle Antwort darauf könnte sein: Soziopathen, Misantrophe, Psychopathen und solche, die keine konsistenten Moralvorstellungen haben(sei es nun aus Halbwissen, Unaufgeklärtheit, gewollt oder aus Dummheit). Eine inkonsistente Moralvorstellung ist zum Beispiel Mord grundsätzlich zu verurteilen, aber Mord durch ein Familienmitglied zu vertuschen. Oder weniger drastisch: Beleidigungen grundsätzlich schlecht zu finden, aber für bestimmte Gesinnungen eine deftige Ausnahme zu machen. Nein, ich habe nicht Psychologie studiert. Aber der Zusammenhang ist denke ich noch so einfach herzustellen, dass das nicht nötig scheint, um diese Brücke zu bauen. Auf diesen Gedanken kommen wir später zurück. Lassen wir das einfach mal „sacken“.

Ein weiterer recht einfacher Gedankengang ist folgender: Es ist einfach sich einer Mehrheit anzuschließen, es ist einfach sich mehrheitsgestützt moralisch überlegen zu fühlen und es ist einfach populäre Meinungen zu übernehmen anstatt sich selbst eine Meinung zu bilden. Politiker, Promi, Vorbild XYZ hat das gesagt, soundsoviele widerholen das ständig, DAS MUSS WAHR SEIN. In eine Formel verpackt: Meinung übernehmen = einfach ; Meinung bilden = schwer.

Was heißt es nun sich eine Meinung zu bilden? Man kann es wohl folgendermaßen zusammenfassen: Man sammelt möglichst viele verschiedener Positionen und deren Argumente, überprüft die verschiedenen Aussagen, Thesen, Begründungen und dann (nicht vorher) gleicht man die Argumente mit der eigenen (hoffentlich konsistenten) Moralvorstellungen und dem was man weiß (und eventuell glaubt) ab und kann zu einer eigenen Meinung kommen. Diese reflektierte Art und Weise sich eine Meinung zu bilden ist leider heutzutage die Ausnahme. Interessanterweise beinhaltet diese Art der Meinungsbildung – quasi automatisch – die regelmäßige Überprüfung und Entwicklung der eigenen Moralvorstellungen. Interessiert man sich dafür eingehender kann man hier fündig werden und sich weiterbilden (Ja… ich bin der Meinung auch Wikipedia darf gelegentlich verlinkt werden)

 

Hat man nun also verstanden was passiert und wie und warum die verschiedenen Gedanken-Parteien glauben was richtig ist, kann man sich selbst positionieren. Dabei kann man natürlich wieder unterschiedlich vorgehen. Man kann eine Position wählen die in etwa dem entspricht, was man selbst glaubt und sich einer Herde ähnlich Denkender anschließen, und nachblöken was da gerade am treffendsten die eigenen Gedanken wiederspiegelt. Das ist wieder einfach und wer glaubt das sei mutig, dem ist nur schwer noch zu helfen. Interessanterweise ist es ziemlich genau das, was in der Politik passiert. Stichwort Koalitionszwang. Dummerweise hängt damit fast zwangsweise zusammen alle Meinungen, die nicht mit dem Meinungsderivat (kleinster gemeinsamer Nenner und so) der eigenen Herde zusammenpassen, abzulehnen.

Man kann auch versuchen eine eigene Herde um sich zu scharen, die nachblökt was man selbst gerade vertritt. Auch das ist auch relativ einfach, wenn man einmal die Mechanismen der Massenmanipulation verstanden hat und/oder über sinnvolle Kontakte und Kanäle verfügt. Hier gehört schon etwas mehr Mut dazu und je unpopulärer die eigene Meinung ist, desto schwerer ist es dann auch, tatsächlich Gleichgesinnte zu finden. Das Resultat bleibt aber ähnlich: Ein Meinungsderivat der Masse und keine echten eigenen Meinungen (Trump oder die AfD sind da ein schönes Beispiel)

Wirklich mutig ist es allerdings, regelmäßig eine eigene Meinung zu bilden und zu überprüfen, diese dann nach außen zu vertreten ohne Zwang und Gewalt anzuwenden, aber auch ohne Rücksicht auf das Blöken der Herde, ohne Rücksicht auf die Popularität der eigenen Meinung.

Wirklich schwer ist es dann, eine selbst gebildete Meinung so zu vertreten, dass andere Menschen dazu inspiriert werden sich eine eigene Meinung zu bilden und eventuell die eben erfahrene Meinung in die eigene Meinungsbildung einfließen lassen. Dazu gehört nun das Zulassen anderer Meinungen, was wirklich schwer und mutig ist. Dies ist meine persönliche Utopie von Meinungsbildung in einer aufgeklärten und freien Gesellschaft.

Die Realität sieht anders aus. Der Durchschnittsbürger BILDet seine Meinung mit Überschriften in Anlehnung an eine inkonsistente Quasimoral. Man ist heute meinungslos und heftet sich an die Gruppe, die einem gerade am lautesten aus der meist vollkommen uninformierten Seele grölt. So fühlt man sich stark, so ist man jemand, so bereichert man das Kollektiv und gibt sich selbst auf. Interessanterweise gilt das im Moment für mehrere Lager. „Teile und Herrsche“ at it´s best.

 

Das genaue Gegenteil von sinnvoller Meinungsbildung ist das, was heute immer mehr passiert. Das Verbieten und Verteufeln von abweichenden Meinungen. Eine verbotene und damit undiskutierbare Meinung kann nicht verifiziert oder falsifiziert werden. Wenn etwas doch falsch ist, dann ist es doch meist mit halbwegs gesundem Menschenverstand nachvollziehbar falsch, im Idealfall sogar empirisch beweisbar falsch. John Stuart Mill sagt dazu folgendes: „Wir können niemals sicher sein, dass die Meinung, welche wir zu unterdrücken beabsichtigen, eine falsche Meinung ist; und wenn wir sicher wären, sie zu unterdrücken wäre trotzdem eine Sünde.“ Ein schöner Artikel dazu findet sich bei dem Blog  Siebenundvierzig. Meinungen verschwinden nicht wenn man Sie luftdicht verpackt. Meinungen gären und werden dann zu etwas völlig anderem, meist sogar zu etwas Gefährlichem. Die Erfahrung zeigt, der sicherste Weg um eine Meinung am Leben zu erhalten ist, sie zu verbieten. Es bleibt immer als unangenehmes Gefühl aktiv.

Was passiert also heute, wenn man monatelang Pegida als unmoralisch und die Wurzel allen Übels in den Mainstream-Medien anprangert? Man macht sie interessant, man polarisiert, man desinformiert. Aber man bekommt Zuspruch, weil es ja einfach ist, auf dieser Schiene Meinung zu „verkaufen“. Man versucht ein Gefühl zu verursachen von „Hauptsache nicht Teil von denen sein“, oder eben das genaue Gegenteil. Exakt das Gleiche passiert nämlich auf der gegenüberliegenden Seite mit Blockupy in Frankfurt. Wir erinnern uns? Ein einziger Tag der ein Vielfaches der Zerstörung hervorbrachte als ein ganzes Jahr Pegida ( aber nur ein Hundertstel des Medien-Echos) Das ist wieder einfach, verkauft sich halt nicht so gut. Die Welt ist allerdings nicht schwarz und weiß… quasi „fifty shades of grey“.

Jeder guckt hin und wird davon angezogen oder ist davon angewidert. Aber zumindest ist man fasziniert…( der Vergleich könnte hinken, ich hab den Film nicht gesehen)

Was hatte Pegida damals gefordert? Hat überhaupt mal jemand das Positionspapier gelesen? Quasi jeder Punkt wird heute als mögliche Lösung diskutiert und teilweise umgesetzt. Eine Horde die „Wir sind das Volk schreiend“ durch die Straßen rennt ist natürlich vor allem in Deutschland komplett untragbar. Aber das mit der Herde und dem blöken und dem Meinungsderivat hab ich ja bereits erklärt.

Am Ende könnte es doch so einfach sein. Jede initiierende Gewalt ob von links oder rechts, ob von gelb, grün, rot oder braun, ob von Buddhisten, Christen, Moslems oder Juden ist moralisch falsch und zu verurteilen. Das Wort ist schließlich schärfer als das Schwert. Ach ja? Sicher, aber nur wenn das Schwert noch Schärfe hat, eine verwässerte und politisch korrekte Einheitssuppe aus Neusprech und Möchtegerngutmenschendiplomatie hat nämlich jegliche Schärfe verloren. Wie sagte einmal Serdar Somuncu: „Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung“. Dieser Gedanke zu Ende gebracht bedeutet aber auch, das Recht und vor allem die Pflicht zu haben intolerant zu sein, das Recht zu haben politisch inkorrekt zu sein, das Recht zu haben in den Augen der Mehrheit ein Arschloch zu sein, solange ich dabei meine persönlichen Ansprüche von Moral darstelle und diese auf eine tatsächlich gebildete Meinung zurückführe und auf den Prüfstand stelle und vor allem auf Gewalt verzichte. Sich auf die Straße (oder eben undepersonalisiert ins Internet) stellen und gen Himmel eine eigene Meinung schreien: Möge der Shitstorm kommen. Das ist nicht einfach, das ist mutig, das rüttelt auf. Im Zweifelsfall sogar einen selbst, wenn man eben nicht richtig liegt.

Ich möchte sagen können, dass ich als Unternehmer keine Frau einstellen würde, weil mir die Mutterschutzgesetze als Unternehmer das Genick brechen, ich möchte sagen können, dass mich das Intimleben von 0.01% der Menschheit einen Scheißdreck interessieren. Ich möchte sagen können, dass ich Steuern als Raub ablehne, dass ich Demokratie in einer massenmedienweichgespülten, meinungslosen Gesellschaft als problematisch ansehe. Ich möchte sagen können, dass ich Akif Pirincci gut finde. Ich möchte sagen können, dass mir die Beinahe-Einstellung der Subventionierung der Präventionsprojekte gegen linke Gewalt buchstäblich auf den Sack gehen. Hier bin ich tatsächlich mal für „Gleichbehandlung“, wenn schon mit annektiertem Geld umher geworfen wird. Die restliche Gleichbehandlungskiste halte ich für schlimmere Propaganda und schlimmere Diskriminierung, als das vor der gesetzlichen Vorteilsnahme der Fall war. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist einen Unterschied zwischen Zuwanderern und Flüchtlingen zu machen.

Jemand der ein Flüchtlingsheim niederbrennt ist genau das Gleiche wie einer, der seine Tochter aus religiösen Gründen verbrennt, nämlich ein fanatischer Verbrecher und Mörder. Jemand der „Ausländer“ verprügelt ist genau das Gleiche wie einer der „Ungläubige“ verprügelt, nämlich ein Gewaltverbrecher. Jemand der Schwarze, Braune, Gelbe, Rote ablehnt ist das Gleiche wie einer der Weiße ablehnt, nämlich ein Rassist. Jemand der Steine in Schaufenster oder nach Polizisten oder sonst wem schmeißt ist ein Gewaltverbrecher oder ein Randalierer, egal ob von links oder von rechts. Ich muss sagen können ob es ein weißer oder ein schwarzer Vergewaltiger war , ich muss sagen können ob es ein islamischer oder ein christlicher oder gar ein jüdischer Fanatiker war, der zugestochen hat. Alles andere führt direkt zu einem zweiten Rotherham. Wir haben eine wunderschöne, ausdruckstarke Sprache und sollten wieder lernen diese zu benutzen, anstelle diese zu beschneiden und zu verstümmeln (der Seitenhieb auf „die Beschneidung“ war zufällig, sorry)

Zum Schluss, weil es so schön ist ein leicht verfremdetes Zitat von Benjamin Franklin: Jemand der für mehr Sicherheit nach mehr Kontrolle durch den Staat schreit und dafür bereit ist eigene Freiheit aufzugeben und die Freiheit anderer einzuschränken ist ein Etatist und Sozialist, egal ob Nationalsozialist oder Sozialdemokrat. Pegida = Occupy q.e.d.

Habt ihr mich noch lieb? Oder denkt jetzt schon der ein oder andere daran mich wegen Volksverhetzung zu verpfeifen. Muss ich wegen meiner Meinung jetzt als Trotzkist, Nazi, als Chauvie, als intolerantes Schwein verfolgt und mundtot gemacht werden? Hilfe Staat, da sagt einer was er denkt. Jeder der gerade am Köcheln ist und mich gewaltsam (= mit Hilfe des Staates oder gar mit eigenen Händen) zum Schweigen bringen möchte, der sollte noch mal zum Eingangsgedanken zurückspringen und über die Anwendung von Gewalt und dann möglicherweise über die Konsistenz der persönlichen Moralvorstellung nachsinnieren…

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