Fugenkitt für die zweifelhaft linke, augstein´sche Hoffnungslosigkeit

Da habe ich hab neulich (22.Juli) einen Text von Augstein gelesen (auf Facebook gefunden: Originaltext ) und mir einige Gedanken dazu gemacht. Eine einfache Antwort schien mir nicht genug und unzureichend um die entsprechenden Bezüge herzustellen. Ich habe also den kompletten Text als Zitat kursiv gesetzt und meine Anmerkungen dazu fett geschrieben. Hoffentlich mach das Lesen dem ein oder anderen Spass…

mosaic-267288_640


Welt aus den Fugen

Nizza, Istanbul, Würzburg – und jetzt München: Die Ereignisse stürmen auf uns ein und überfordern uns. Richtig sehr viele sind überfordert. Vor allem die Politiker und Willkommenstheoretiker sind von der „unerwarteten“ Gewaltbereitschaft beim christlich/ethischen Hinhalten der anderen Wange (Matthäus 5, 38-39) überrascht.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Warum? Wer entscheidet das? Ein Herr Augstein mit seinen zweifelhaften Links-Phantasien, aus seinem ererbten Glaspalast heraus? Ich will und werde mich daran nicht gewöhnen!

Wenn man unsere Gegenwart mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre es Überforderung. Kann man machen… persönlich würde ich “Verantwortungslosigkeit” wählen. Es ist zu viel. Zu viele Informationen zur gleichen Zeit. Zu viele Widersprüche (sic). Zu viele Ansprüche. Baton Rouge, Nizza, Istanbul, Würzburg, München. Alles geschieht gleichzeitig. Alles fordert Mitgefühl, Nachdenklichkeit, Entschlossenheit – Aufmerksamkeit. Es fordert aber hauptsächlich eines: Handeln. Nicht Gewalt, aber ein deutliches Zeichen der Intoleranz gegenüber dem Nichtakzeptieren europäischer Werte und Gesetze.

Zu viel. Aber Gegenwart kennt keine Gnade. (Realität auch nicht) Wir werden uns daran gewöhnen müssen. (Durch das Widerholen wird die Aussage nicht besser oder wahrer.)  So wie sich ein Mensch, der vom Land kommt, an den Lärm der Stadt gewöhnen muss. Mit einem Unterschied: Eine Rückkehr aufs Land kann es für uns nicht geben. (das ist nun eine ähnlich sinnvolle Aussage wie die Gewöhnungsmasche. Das Detonieren von Bomben, Pistolenschüsse und Schmerzschreie durch Macheten oder Axthiebe mit dem Lärm der Stadt gleichzusetzen ist schon eine hochinteressante Erweiterung und zeugt von kreativem Realitätsverlust im Sinne der bereits erwähnten Gewöhnungsmasche… gehört einfach dazu… egal…gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen und nichts hat mit nichts etwas zu tun.)

In den USA erschießt die Polizei Schwarze (Wohlgemerkt polizeibekannte schwarze Gewalttäter. Statistiken werde ich nicht bemühen. Diese wären zu viel „Gegenwart“ und wie wir bereits erfahren haben, kennt diese keine Gnade.) Wir reden über Polizeigewalt und Rassismus. Dann erschießen Schwarze Polizisten. Wir reagieren darauf und debattieren über die Gefahren einer sich auflösenden Gesellschaft. (Eine Diskussion über den BLM immanenten Rassismus gegen Weiße wäre eventuell angebrachter) In Nizza tötet ein Mann mehr als 80 Menschen mit einem Lastwagen. (Verbot für Lastwagen!!! JETZT!) Wir richten unsere Aufmerksamkeit wieder nach Europa und sorgen uns um den islamistischen Terror. In Würzburg attackiert ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan Reisende in einem Zug und wird erschossen. (Lösungsansatz: Wir hätten besser integrieren müssen, mehr tun, mehr helfen. Die über 50 000 Euro die der junge Mann im letzten Jahr gekostet hat sind einfach zu wenig gewesen) Wir streiten um den Unterschied zwischen Terror und Amok, die Flüchtlingspolitik und einen Tweet von Renate Künast. Und dann war da noch die Türkei, der Putsch. Und der Gegenputsch. (Darauf einen Punsch. Nur damit lassen sich augstein´sche und künast´sche Tweets ertragen. Sorry für das ad hominem. An dieser Stelle war wohl wieder mal die Gegenwart mit ihrer Ungnade beteiligt…)

Jetzt die Tat in München. Und morgen? (Ansbach, Reutlingen, St.Etienne, to be continued …) Und wo ist der Ausgang? (Ernstgemeinte Frage? Selber auch schon leid die andere Wange hinzuhalten?)

Es gibt eine neue Zeitrechnung der Geschwindigkeit. Und sie ist noch nicht sehr alt. Das erste Schnelle Jahr liegt gerade fünf Jahre zurück. 2011 war das. Erinnert sich noch jemand? Der Rücktritt des Ministers Guttenberg, die Revolutionen in Ägypten und Libyen, die Anschläge von Anders Behring Breivik, der Tsunami in Japan und die Katastrophe von Fukushima, der deutsche Atomausstieg und schließlich wurde Winfried Kretschmann auch noch zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik gewählt. Diese Ereignisse spielten sich damals im Verlauf eines Jahres ab und hielten das ganze Land in Atem. Heute kann man sich das glatt als Programm für die Sommermonate vorstellen. Aber das Gefühl der Überforderung hat uns seit damals nicht verlassen. (… fällt mir hier doch glatt der unvergleichliche Sänger Leonhard Cohen mit dem heute prophetisch anmutenden Song “First we take Manhatten, then we take Berlin” ein. Bei der Aufzählung befällt mich ein unangenehmes Gefühl, sind doch alle aufgezählten Meldungen aus “linker” Sicht positiv ausgegangen: FDP am Ende, arabischer Frühling, endlich ein rechter Amokläufer, endlich Atomausstieg, endlich ein Grüner, der was zu sagen hat… Woher also die Hoffnungslosigkeit, die der Titel vermuten lässt?)

Niemand verfügt über so viel Aufmerksamkeit und niemand verfügt über so viel Empathie, wie heute vonnöten wäre. Mitleid ist eine endliche Ressource. Es braucht Zeit, sie aufzufüllen. Bei völliger Entleerung bleibt nur emotionale Erschöpfung zurück, Gleichgültigkeit. Und Entsetzen, vielleicht Scham, über sich selbst. Sehr richtig. Toleranz ist aber auch eine sehr endliche Ressource. Wenn diese aufoktroyiert wird, auch für nicht tolerierbare Zustände, dann erschöpft sich diese noch schneller als das Mitleid. Ebenso ist es deutlich schwerer diese wieder „aufzufüllen“. Ist es nämlich mal vorbei mit der Toleranz, dann sollten wir uns nämlich tatsächlich schämen, und zwar dafür Gleichgültig gewesen zu sein, als Unvereinbares vereint wurde, als die Meinungsfreiheit aufgekündigt wurde und Entsetzen darüber, dass genau dies nicht erkannt wurde.

Die Beschleunigung nimmt zu. (Das war doch gestern noch eine Verschwörungstheorie, oder?) Eine solche Feststellung so lange nach dem Beginn des Zeitalters der Beschleunigung wirkt beinahe unsinnig. Aber sie ist wahr. Die Geschwindigkeit steigt und die Kontrolle geht verloren. Im Griechischen ist der kybernetes der Steuermann (Heute ist das wohl eher die Steuer-Frau oder SteuerX, die da oben sitzt und Steuern dafür kassiert, den Beweis zu erbringen, dass selbst bei irrsinniger Beschleunigung eine Teflon Beschichtung hilft. Der Physik sei gedankt!) , der dafür sorgt, dass der Kurs anliegt. Die Kybernetik ist die Lehre von der Steuerung der Systeme. Unsere Gegenwart ist ein kybernetisches Desaster. Unsere Fähigkeit, den Kurs zu steuern, nimmt mit dem Tempo ab, zu dem wir gezwungen sind. Die Bremsen versagen nicht. Es gibt keine. Der Ausnahmezustand ist unser Normalzustand. (Hurra Venezuela, wir kommen. Es fehlt nur noch ein wenig mehr Beschleunigung, dann holen wir euch sogar auf dem Erdball ein! )

Angst ist die größte Bedrohung der Zivilisation (Nein, es sind Menschen, die glauben, aus welchen Gründen auch immer anderen Menschen Vorschriften machen zu können und zu dürfen (obwohl diese niemandem schaden) und dies im Zweifelsfall mit Gewalt durchsetzen würden)

Mit der Beschleunigung wächst darum auch die Angst. Es ist kein Zufall, dass Terrorismus und Populismus sich zur gleichen Zeit ausbreiten. Beide Phänomene leben von der Angst. Die Angst ist die größte Bedrohung der Zivilisation. Und die Bändigung der Angst ist die eigentliche zivilisatorische Leistung. Aber wer schon mal Angst hatte, weiß: Das ist leicht gesagt. (Jaja, die Angst ist schon ein tolles Thema. Es ist zum Beispiel die Angst vor der Verantwortung, vor der Selbstbestimmung, vor der Unsicherheit. Politiker jeder Couleur nutzen diese Ängste zum Stimmfang. Mal mehr, mal weniger. Die Aussage bleibt immer die Gleiche: „Das kannst du nicht alleine, ich, Staat kann das besser als Du, du musst mir nur 50-70% von allem abgeben, was du erwirtschaftest, dann mach ich alles was ICH glaube, dass DU brauchst ganz kostenlos“)

Zeitgenosse (Was für ein schlimmes Wort. Also ich bin niemals ein „Genosse“) zu sein, ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Wir wissen: Die Globalisierung, das Internet – es wird nicht mehr weggehen. (Bäh, bäh, böses Internet… plötzlich kann man sich selber informieren. Die Türsteherfunktion der „Qualitätsmedien“ geht flöten. Spiegelauflagen gehen runter. Sowas kann einfach nicht gut sein)  Also versuchen wir uns anzupassen, zu lernen. Über die Gesellschaft und den Menschen gäbe es im Moment eine ganze Menge zu lernen. Wir ahnen, dass Helmut Schmidt Recht hatte, als er im Jahr 1997 schrieb: „Ohne Pflege der bürgerlichen Tugenden wird unsere Gesellschaft zu einem politisierenden Gerangel der Interessenhaufen verkommen.“ Das ist, mit Blick auf die zerrissenen Gesellschaften des Westens, noch freundlich formuliert. Der Bund ist brüchig. (der „Bund“, ja, der ist so sehr brüchig, dass ich brechen möchte) Das Bindende schwindet. (und das Blind-Ende ist fast da)

Warum ist das so? Vielleicht, weil auch die Demokratie einfach sterblich ist. Wenn sie ihre Versprechen nicht einlöst, wird sie durch etwas anderes ersetzt. Der Westen hat nie Gleichheit versprochen. Aber Gerechtigkeit. Die Menschen wurden darum betrogen. In der Philosophie kennt man den „naturalistischen Fehlschluss“ – nur weil etwas existiert, heißt das nicht, dass es auch gut ist. Und es gibt auch den moralistischen Fehlschluss: die Tatsache allein, dass wir eine Eigenschaft für gut befinden, heißt noch lange nicht, dass sie natürlich ist. Es könnte also auch ein moralistischer Fehlschluss vorliegen, wenn wir glauben, alle Menschen wollten vernünftige, gute Demokraten sein. Vielleicht gibt es einfach eine ziemlich große Anzahl von Menschen, die es vorzieht, lieber ein Arschloch zu sein. (Ja, die Demokratie ist zur Demokratur verkommen. Ein kleiner Teil der Bevölkerung, die tatsächlich noch an die Versprechen aus den Reihen der Politik glauben vergibt die „Macht“ an Menschen, die nur durch Betrug, Lügen, Fraktionszwang und das Hin- und Herschubsen von größeren und kleineren Posten in der Machtposition sind, wo sie sich heute befinden. Sehr richtig erkannt ist natürlich das durchgehend nicht gehaltene Versprechen der Gerechtigkeit und eben nicht das von Gleichheit. Vielleicht sollte man dies den Gender und Gesinnungsdiktatoren mal mitteilen. Multikulti funktioniert nicht mit flächendeckender Gleichmacherei. An dieser Stelle möchte ich den unvergleichlichen John Cleese zitieren der über das „Arschloch sein“ folgendes sagte: „Sometimes I WANT to offend people!“. Wenn also Demokratie sterblich ist, was soll dann die Lösung sein? Lenin 2.0?, Stalin 2.0? oder Mao 2.0?)

Der Philosoph und ehemalige britische Großrabbiner Jonathan Sacks hat einmal daran erinnert, dass Optimismus und Hoffnung nicht dasselbe sind. Optimismus ist der Glaube daran, dass die Dinge besser werden. Hoffnung ist der Glaube daran, dass wir die Dinge gemeinsam besser machen können. Optimismus ist eine passive Tugend, Hoffnung ist eine aktive. „Es bedarf keines Mutes, um ein Optimist zu sein“, sagte Sacks, „aber einer Menge, um Hoffnung zu haben.“ (Demnach wären also beinahe alle Wähler Optimisten und der Job der wenigen hoffnungsvollen Politiker wäre schlicht, dass es auch so bleibt. Das mag man mutig nennen, weil irgendwann dieses Spiel durchschaut wird. Dann wird nämlich auch der größte Optimist jegliche Hoffnung verlieren und das zurecht…
Ganz persönlich wünsche ich mir Menschen, die Hoffnung haben und die Kraft nach ethischen Maßstäben Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Zu helfen wo es geht, Intoleranz zu zeigen wo es nötig ist, zu tolerieren, wenn es angebracht ist und sich selbst und andere zu verteidigen wenn dies möglich ist.)

1 thought on “Fugenkitt für die zweifelhaft linke, augstein´sche Hoffnungslosigkeit

  1. Hey I know this is off topic but I was wondering if
    you knew of any widgets I could add to my blog that automatically tweet my newest twitter updates.

    I’ve been looking for a plug-in like this for quite some
    time and was hoping maybe you would have some experience with something like
    this. Please let me know if you run into anything. I truly
    enjoy reading your blog and I look forward to your new
    updates.

Schreibe einen Kommentar