Farage tritt zurück…

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von Euro Realist Newsletter (flickr.com) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
Wahrlich kommt dieser Rücktritt überraschend. Die Nachrichten spekulieren auf gesundheitliche Gründe, innerparteiliche Streitigkeiten oder schlicht Feigheit.
Festhalten kann man völlig wertfrei, daß seine Worte und seine glühenden und oft provokativen Reden einen signifikanten Einfluss auf den Brexit hatten. Angst war dabei niemals ein Thema. Nach dem Motto “Viel Feind, viel Ehr” provozierte und beleidigte er in den letzten beinahe 20 Jahren seine politischen Gegner auf dennoch meist stilvollem und von britischem Humor durchsetzen Niveau.

Auch wenn ich viele seiner Ansichten nicht teile, war es mir immer eine Freude seine Reden im Originalton zu hören und die langen und meist empörten Gesichter der andern EU-Darstellern zu sehen. Zuletzt seine Rede direkt nach dem Brexit, in der er eine schallende Ohrfeige an die Funktionäre verteilte. Herrlich polemisch überzeichnet, natürlich nicht ganz korrekt, aber definitiv verdient, da sich viele der Versammelten wie unreife Kinder verhielten und durch Buh-Rufe und Zwischenrufe selbst nach Ermahnung noch störten.
Angst war hier nicht zu sehen…eher Zuversicht und neuer Tatendrang. (komplette Rede auf Englisch)

Über die Gesundheit läßt sich wenig sagen außer einigen Floskeln und subjektiver Eindrücke. Zuletzt wird es sich zeigen ob die Gesundheit ein Grund war, oder eben nicht.

Bei den innerparteilichen Streitigkeiten verhält es sich ähnlich. Politisch gibt es allerdings immer Streitigkeiten und Farage ist ein recht wackerer Streiter, warum also sollte er auf dem Höhepunkt seiner Karriere wegen “Streitigkeiten” das Handtuch werfen? Seine Abschiedsrede von heute hingegen sah angespannt aus, der Frohsinn wirkt aufgesetzt und die Referenz “Ich möchte mein Leben zurück // I want my life back” kann man durchaus als wohlgesetzt wahrnehmen. (Abschiedsrede auf Englisch)

Warum kommen so wenige in Ihren Mutmaßungen auf die Idee, dass hier etwas nicht stimmt und möglicherweise eine tatsächliche Bedrohung stattfindet. Es ist nicht das erste Mal, daß Farages Leben bedroht wurde. Bekannt wurden 2010 der doch dubiose Flugzeugabsturz und erst dieses Jahr im Januar der Mordanschlag mit den gelösten Radmuttern. (Zeitungsartikel auf Englisch). Farage spricht hier im Interview davon, daß er einen gewaltigen Fehler machte, diverse Morddrohungen nicht ernst genommen zu haben.

Es ist sicher nicht abwegig anzunehmen, daß Anzahl der Morddrohungen nach dem Brexit explodierte. Farage ist möglicherweise derzeit der meistgehasste Mensch Englands, wenn nicht sogar Europas. Man darf auch nicht vergessen, Farage ist Familienvater und hat zwei Töchter im Alter von 9 und 15 Jahren. Wie das SchweizMagazin berichtet gab es bereits “lustige” Gruppen-Vergewaltigungsdrohungen seitens des Rappers Lunar C via Twitter.

Es bedarf nun sicher keiner Verschwörungstheorie wie von Jürgen Elsässer um zu erklären, dass sich selbst bei einem Mann wie Farage in einer solchen Situation die Überlebens-Instinkte aktivieren.

Ich hoffe Farage bleibt uns wenigstens in Brüssel noch eine Weile erhalten. Ohne ihn sind die Debatten dort nämlich einfach nur unerträglich langweilig.

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